Nach innen sehen - sich selbst erkennen

Meditation als Schlüssel für den achtsamen Umgang mit Mensch & Tier

Mein ersten Meditationserfahrungen machte ich mit Anfang 20 im Karate-Unterricht - doch noch kam ich nicht auf die Idee, Meditation regelmäßig zu Hause zu praktizieren, so sehr ich die innere Stille vor und nach dem Training auch genoss. Sie erschien mir heilig, wertvoll, wie ein Schlüssel zu etwas Größerem, nach dem sich mein Herz schon seit meiner Kindheit sehnte. Dieses Gefühl hat mich niemals verlassen; ganz egal, wie meine Wege verliefen.

Als ich mich Ende 2012, fast zwanzig Jahre später, mit radikalen Umwälzungen im Innen und Außen konfrontiert sah, drängte es sich wieder in den Vordergrund - und ich entschied, ihm konsequent nachzugeben und -gehen; rückblickend eine der besten, womöglich sogar die beste Entscheidung meines Lebens.

Meditation bedeutet für mich, in Kontakt mit mir selbst zu treten und mir gleichzeitig dessen gewahr zu werden, dass ich mit allem, was mich umgibt, sinnvoll verbunden bin. Es stellt sich ein Gefühl des Einsseins mit der Natur, meinen Mitmenschen, dem Kosmos ein und ich beginne, Zusammenhänge zu erkennen, die mir vorher verschlossen blieben. Durch das Meditieren hat mein Lebensgefühl eine Qualität angenommen, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte - und ich habe gelernt, meine hohe Sensibilität nicht als Stolperstein, sondern als Geschenk wahrzunehmen. Mit dem Meditieren zu beginnen, war wie eine Ursprungsquelle für einen unendlichen Fluss, in dem ich geborgen schwimmen darf und der mir neue Erfahrungen schenkt, an denen ich wachsen und mich entwickeln kann.

 

Meditation erlaubt es uns, unseren inneren Frieden zu finden und zu pflegen - ganz gleich, was um uns herum geschieht. Wir lernen den heiligen, unantastbaren Tempel in unserem eigenen Herzen kennen und erfahren, dass wir ihn jederzeit aufsuchen können. Synchronizität wird zum Wunder des Alltags.

 

Mein Umgang mit Tieren profitiert von der Ruhe und Stille, die ich in der Meditation finde, und sie schult mich darin, auch in schwierigen, angstbesetzten oder stressigen Situationen aus dem Herzen zu sprechen und zu agieren. Wenn ich Aufnahmen von Leithengsten in wild lebenden Herden betrachte, muss ich unweigerlich an Meditation und weise, spirituelle Lehrer denken - denn daran erinnern sie mich. Sie werten nicht, urteilen nicht, sie verfallen nicht in hektischen Aktionismus, manipulieren nicht zu ihrem eigenen Gunsten, sondern agieren im Sinne des Ganzen, der Natur, des Friedens. Über Stunden hinweg Pferde zu beobachten, hat für mich eine zutiefst meditative Qualität, die ich vor allem an lauen Sommerabenden genieße - auch wenn mich das nicht vom achtsamen Sitzen auf dem heimischen Kissen entbindet.                                  Foto: Fotolia