Meditatives Reiten: Einssein mit Pferd und Natur

Meditation bedeutet Konzentration, Aufmerksamkeit und Fokussierung auf das Hier und Jetzt; eine Bewusstheit und Klarheit, der tiefe Entspannung folgt. Ziel ist es, den gegenwärtigen Augenblick mit allen Sinnen zu erspüren, sich seiner Atmung gewahr zu werden und eine Einheit mit dem Wesen zu werden, von dem wir getragen werden.

 

Meditatives Reiten beginnt am Boden - und nicht erst am Stall. Schon beim bewussten Ruhenlassen der Alltagstätigkeiten und dem Kleidungswechsel zu Hause legen wir die Basis für die Qualität des Zusammenseins mit unserem Tier. Jeder weitere Schritt ist geprägt von der Haltung, in der wir ihn gehen - bis hin zum Öffnen des Weide-Tors, das uns Zutritt zur Welt der Pferde gewährt, dem Halftern, Putzen, Satteln.

Während dieser Schritte gibt es etliche Stolpersteine, die uns aus aus unserer Balance reißen können - zumal wir alle wissen: Gerade im Stall kommt es oft anders, als man denkt.

Umso wichtiger ist es, vor und während eines Ausritts in der eigenen Welt und im eigenen Frieden zu bleiben - eine Fähigkeit, die es in der oftmals störanfälligen Stallgemeinschaft immer wieder aufs Neue zu trainieren gilt. 

 

Bei diesen ersten Schritten, die so entscheidend sind, beginne ich mit meinen Klienten. Je mehr Befürchtungen mit dem Ausritt in der freien Natur verbunden sind, desto wichtiger wird es, diesem Erlebnis gut vorbereitet entgegen zu gehen. Denn unser Pferd spürt unsere innere Anspannung wie ein Seismograph und es kann unsere Angst wortwörtlich riechen.

Der Weg zu einem meditativen, tiefenentspannenden Reiterlebnis basiert auch auf dem wertfreien Anschauen von Ängsten und Befürchtungen, mit denen sich jeder Reiter irgendwann einmal auseinandersetzen muss - so wie jedes Pferd irgendwann einmal "komisch" wird und wir das Gefühl haben, auf einem Pulverfass zu sitzen, das in der nächsten Sekunde in die Luft gehen könnte.

Ähnlich verhält es sich mit der Stallgemeinschaft, in der es auf emotionaler Ebene oft heiß hergeht. Nicht selten wechseln Pferdebesitzer den Stall nicht etwa wegen des Pferdes, sondern weil sie sich dort nicht mehr wohlfühlen - und sich bereits innerlich anspannen, wenn sie das Stallgelände betreten. Doch solche Schwierigkeiten sind meistens lösbar, ohne dass das Pferd aus seiner Herde gerissen werden und sich mit einem völligen neuen Umfeld arrangieren muss (was für Pferde häufig großen Stress bedeutet, ist die Herde doch ihre Sicherheit Nummer 1).

 

Gemeinsam schauen wir uns die individuellen Stolpersteine an, trainieren Bewusstheit, Atem und Fokussierung und finden einen Weg, Ängste und Befürchtungen nicht übermächtig werden zu lassen.

 

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