Pferd als Zen-Meister: Ruhe, Frieden, Achtsamkeit

In unserer hektischen, reizüberfluteten Alltagswelt wird es immer schwieriger, abzuschalten und gleichzeitig sich selbst gegenüber aufmerksam zu bleiben. Anstatt die innere Stille zu suchen, neigen wir dazu, uns mit Fernsehen, sozialen Netzwerken oder anderen medialen Ablenkungen zu "entspannen" - oftmals mit dem Ergebnis, dass unsere Schlafqualität abnimmt, wir unsere Balance verlieren und unsere Nerven noch dünner werden. 

 

Eine Stunde bewusstes Zusammensein mit Pferden - ob vom Zaun aus oder auf der Weide -, kann ein ideales Achtsamkeitstraining sein. Mit behutsam angeleiteten Wahrnehmungsübungen helfe ich dabei, die Hektik und den Stress des Alltags hinter sich zu lassen und den ureigenen, inneren Frieden zu entdecken. Bei Bedarf kommen unterstützend sanft schwingende Kristallklänge zum Einsatz.

 

Wir tauchen ein in eine Welt der leisen Verständigung, minimaler Regungen, des Friedens und der Stille. Selbst wenn Pferde untereinander Dinge "zu regeln" haben oder Umschichtungen in der Rangordnung ausgetragen werden müssen, so tun sie dies stets im Sinne des Ganzen - nämlich der Sicherheit der Herde - und kehren anschließend zur Harmonie zurück, ohne sich gegenseitig etwas nachzutragen. Auch sind sie in ihrem Verhalten nicht planend, taktisch oder gar manipulativ.

 

Pferde leben im Hier und Jetzt. Sie merken sich sehr wohl traumatische Ereignisse aus der Vergangenheit, doch solange sie kein "Trigger" daran erinnert, verschwenden sie keinerlei Gedanken an das, was einst war oder zukünftig sein könnte - ganz anders als wir Menschen, die dank ihres oft unkontrolliert ratternden Verstandes ständig um das "wenn" und "könnte" und "wäre" kreisen.

 

Wo stehe ich, wo will ich hin, wo geht es mir gut?

 

Jedes Pferd hat seinen einzigartigen, unverwechselbaren Charakter und erhält dementsprechend seine Rolle innerhalb der Herde. Daraus können wir viel für uns selbst lernen: Auch wir sind Individuen mit unseren Eigenheiten, Talenten, Ecken und Kanten und auch wir sind darin gefragt, innerhalb von Gemeinschaften - sei es unsere Familie, unser Kollegium oder unser Freundeskreis - unseren Platz zu finden, an dem wir uns wohl und sicher fühlen und in dessen Rahmen wir unsere Qualitäten leben und ausdrücken können.

Zudem gewinnt unser Leben an Licht und Zufriedenheit, wenn wir uns wie die Pferde konstruktiv und sinnerfüllt mit dem Status Quo auseinandersetzen, anstatt uns in Grüblereien über die Vergangenheit oder Zukunft verlieren.

 

Ungelöste Konflikte erkennen und annehmen

 

Das Zusammensein mit Pferden erdet uns und ermöglicht es uns, unsere eigenen Dissonanzen zu erkennen, ohne dafür in irgendeiner Weise gewertet zu werden - denn Tiere nehmen uns vorbehaltlos so an, wie wir sind. Gerade Pferde haben einen untrüglichen Instinkt für "schwächere" Wesen und gehen besonders behutsam und rücksichtvoll mit ihnen um.

 

Um von Pferden zu lernen und im Beisein mit ihnen sich selbst näher zu kommen, Achtsamkeit zu lernen und aus hinderlichen Wertungen über uns und andere herauszufinden, ist es weder notwendig, Reitkenntnisse zu besitzen noch jemals mit Pferden gearbeitet zu haben. Es genügt, bei oder mit ihnen zu sein und im wachsamen Blick auf sich selbst zu schauen, welche Wege sich durch dieses Zusammensein eröffnen.

 

Der Humor kommt dabei selbstverständlich nicht zu kurz - Lachen ist erlaubt, denn mitunter bieten uns Pferde herrliche komödiantische Vorstellungen. Die urwüchsige Natur des rheinischen Westerwalds tut ihr übriges, um tiefer durchatmen und loslassen zu können - und sich selbst wieder zu spüren, als lebendiges, kraftvolles und lichtvolles Wesen.

 

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